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Grundlegendes und Arbeitsansätze Wenn man Kulturarbeit, die auch eng verwoben ist mit Bildung, die Aspekte freiwilliger, individueller Eigenbildung einerseits und Möglichkeiten aktiver Partizipation an gesellschaftlichen Gestaltungsprozessen andererseits, meint, schließt sie sowohl zum aktiven Handeln anregende als auch rezeptive Formen kultureller Angebote ein. Somit leistet Kulturarbeit einen wesentlichen Beitrag, nicht nur zur kulturellen, sondern auch zur sozialen Kompetenz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Dies stellt die Ansprüche der Angebote des GeyserHaus e.V. dar. Kinder- und Jugendkulturarbeit ermöglicht es, in unterschiedlichen Formen eine Auseinandersetzung mit dem Alltag zu erreichen, wobei nicht nur die Funktion des Handelns, sondern auch die Art und Weise der Form- und Wertgebung von Interesse ist. Das so erzeugte Wechselspiel zwischen Tradition, künstlerischem Ausdruck und kindlicher / jugendlicher Realität wirkt sich auf das Selbstbild und das Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen aus und stärkt die eigene Handlungskompetenzen. So trägt insbesondere Jugendkulturarbeit bei der Sinnfindung und eigenen Standortbestimmung bei. Da eine aktive Begegnung mit Kunst und Kultur auch immer eine Begegnung mit dem eigenen Selbst und der eigenen Umwelt ist, regt sie die eigene Phantasie an, hilft Kreativität und Sensibilität zu entwickeln und fördert schließlich die aktive Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und gesellschaftlichen Prozessen. Somit ist dieser Bereich der Jugendarbeit auch ein Feld sozialer Bildung, in welchem Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkünfte aufeinander treffen, andere Wertvorstellungen und Lebensvollzüge wahrnehmen und in vielschichtige Kommunikation treten.
Vor diesem Hintergrund und einer Analyse unseres Stadtteils, in dem sich das GeyserHaus befindet, verbunden mit den aktuellen Erfahrungen des „KlanPlanX“ konzipierten wir das Projekt „Sprechende Steine“.
Bericht des Erreichten
Der GeyserHaus e.V. begann im Januar 2006 mit der Durchführung des Projektes. Aufgrund unserer Erfahrungen aus dem Projekt „KlangplanX“ konnten wir die technische Entwicklung des Innenlebens gemeinsam mit Erwin Stache und den Tontechnikern des GeyserHauses schnell vorantreiben. Bereits Ende April war ein Prototyp gebaut, der fast vollständig unseren Vorstellungen von Abläufen, Stromverbrauch, Ein- und Ausschaltzeiten und anderen technischen Parametern entsprach. In der Folge konnten wir weitere Modelle bauen, die den unterschiedlichen örtlichen Gegebenheiten zugrunde lagen. Parallel begannen wir gemeinsam mit unseren Projektpartnern im Stadtteil die Vorgehensweise auszuarbeiten. Hierzu zählten die Abstimmung über die Geschichten, die erzählt werden sollen, die Musikauswahl, die Termine für die Studioproduktionen, Einweihungstermine und dgl. mehr. Als Projektpartner sind mit folgenden Inhalten gewonnen worden:
· Lohmeier Ehses GmbH: Eine Ost-Westgeschichte oder wie ein frisch ausgebildeter Wessi-Betriebswirtschaftler Ossis wirtschaftlich half und selber sesshaft wurde.
· Christuskirche zu Leipzig-Eutritzsch: Geschichte einer Kirche
· Carl-von-Linne-Schule: 425 Jahre Schule in Eutritzsch
· GeyserHaus e.V.: Die Geschichte des Christian Gottlieb Geyser und seines Hauses
· Parkbühne GeyserHaus: Geschichten eines Parkes und seiner Bühne/ 15 Jahre GeyserHaus
· Argenta: 10 Jahre Eutritzscher Zentrum · Gaststätte "Zur Lutherburg": Geschichtliches zum Lokal und zum Namen
· Wogetra/ Eutritzscher Rathaus: Ein historisches Gebäude und seine heutigen Nutzer · Adam-Friedrich-Oeser-Schule: Schulgeschichten und Hintergründe zum Namensgeber Die Einweihung des ersten Steines fand im September 2006 auf der Parkbühne Eutritzsch statt. Im November 2006 folgte der Brunnen auf dem Gelände des GeyserHaus e.V. und der Geschichte des sesshaft gewordenen, frisch ausgebildeten Wessi-Betriebswirtschaftlers kann seit Dezember gelauscht werden. Weiter ging es im März 2007 mit dem Stein der Lutherburg und zu Ostern erfolgt die Einweihung an der Christuskirche. Im Mai folgt die Carl-von-Linné-Schule und im Juni ist der Stein der Argenta im Eutritzscher Zentrum an der Reihe.
Das Projekt an sich:
Stellen Sie sich vor, Sie gehen eine Straße entlang und sie hören Klänge, ein Wispern, etwas, das nicht zu den Lauten der Straße gehört. Sie werden neugierig, suchen den Klangursprung, finden ihn und sind erstaunt, je näher Sie herangehen, desto deutlicher wird der Klang, der wie von Geisterhand in Sprache übergeht - Sie entdecken den „Sprechenden Stein“. Er erzählt Ihnen die Geschichte des Hauses und seiner BewohnerInnen u.v.m. Am Ende schickt er Sie auf die Suche nach dem nächsten Stein. Jetzt sind Sie auf dem
Akustischen Stadteilrundgang - „Sprechende Steine“
der Ihnen Wissenswertes, Geschichten und Anekdoten erzählt, Leute und Institutionen vorstellt, die ihre Geschichten selbst erforschen und erzählen.
Zielstellung
Die „Sprechenden Steine“ zeigen Ihnen den Weg durch den Leipziger Norden. Sie lernen den Stadtteil baulich kennen. Wichtige Gebäude, wie z.B. Kirchen, erzählen ihre Geschichte – erforscht und gesprochen von den Gemeindemitgliedern. Schulen, wie die Carl-von-Linne-Schule und Adam-Friedrich-Oeser-Schule erzählen über ihren Namensgeber – erforscht und gesprochen von den SchülerInnen. Firmen erzählen ihren Werdegang – erforscht und gesprochen von den Mitarbeitern. Warum heißt der GeyserHaus e.V. „GeyserHaus“ - erforscht und gesprochen von Mitgliedern und NutzerInnen. So lernen Sie nicht nur die Baulichkeiten, sondern vor allem die Menschen die hier leben und arbeiten, kennen. Der Leipziger Norden, insbesondere der Ortsteil Eutritzsch, hat einen überdurchschnittlich hohen Ausländeranteil. Es ist für uns eine große Herausforderung ausländische MitbürgerInnen einzubeziehen, ihre oft nicht leichte Geschichte von ihnen selbst erzählen zu lassen – sie und ihre Kultur dadurch besser zu verstehen und somit einen Beitrag zu ihrer Integration zu leisten
Was ist es?
Ein Geschichtsprojekt – auch. Ein Klangprojekt – auch. Ein Vernetzungsprojekt – auch. Ein Stadteilkennenlernprojekt – auch. Ein Intergrationsprojekt – auch. Ein soziokulturelles Projekt – ganz bestimmt!
Methodik Entwicklung der technischen Umsetzung
Jeder „Sprechende Stein“ ist anders, er klingt anders, sieht anders aus, technisch jedoch sind alle gleich. Der Stein ist eingelassen in eine Hauswand, wird als Stele ausgebildet bzw. ein geeigneter Ort zur Aufstellung wird gefunden. In ihm befindet sich ein Lautsprecher der mittels Verstärker den Stein zum Schwingen und damit hörbar macht. Der Verstärker wir von einem Mikroprozessor angesteuert, der von einem Speicher Musik und Sprache abruft. Der Mikroprozessor wiederum wird von einem Bewegungsmelder in Verbindung mit einer Fotozelle für Tag- und Nachtschaltung angesteuert. Der Speicher ist das eigentlich Interessante. Er wird in
Workshops und Arbeitstreffen
von den Bewohnern, Mitarbeitern, Eigentümern, Kindergarten- und Schulkindern im Studio im GeyserHaus eingesprochen und vertont. Davor gilt es jedoch, Material, Geschichte und Geschichten zusammenzutragen, zu sichten und auszuwählen, dann festzulegen, was gesprochen wird. Damit ergibt sich eine unmittelbare Beteiligung zukünftiger NutzerInnen am künstlerischen Prozess und am Produkt an sich. Der eigentliche Konsument wird zum Produzenten, zum Mitgestalter, schon in der Phase der Herstellung des „Sprechenden Steines“. Ist alles aufgenommen und im Speicher versteckt, wird der Stein installiert und es folgen
Die Klangspektakel – die sukzessiven Einweihungen der „Sprechenden Steine“
Zur Einweihung des Steines inszenieren Erwin Stache und Henry Schneider ganz unterschiedliche Hörerlebnisse am Ort der Einweihung. Die Protagonisten der Steine, interessierte Besucher, Kinder die mit dem Stein und seinem unsichtbaren Bewegungsmelder spielen wollen, sind da um dies Merkwürdige ewas zu bestaunen, ihm zuzuhören. Wie kann man mit dem Stein spielen, musizieren, ihm Töne entlocken? Das ist wieder eine technische Frage. Der Bewegungsmelder meldet Abstände und der Prozessor gibt dafür unterschiedliche Töne aus. So wird jeder, der mit dem Stein spielt zum Musiker, zum Künstler, jeder schafft seine eigene Komposition. An diesem Abend wird der Stein zum Instrument, das von Erwin Stache und Henry Schneider gespielt wird.
Der Künstler Erwin Stache
Erwin Stache, geboren 1960 in Schlema, Studium von Mathematik, Physik und Pädagogik. Musikausbildung in Leipzig. Seit 1983 freischaffender Musiker und Gerätebauer. Viele Jahre gemeinsame Projekte mit dem Schauspieler Wolfgang Krause Zwieback. Zusammenarbeit mit Henry Schneider bei den alljährlichen Stelzenfestspielen. Konzerte, Installationen und Aufführungen in Salzwedel, New York, Rheinsberg, München, Rüdersdorf, Graz, Nürnberg, Bern, Beucha, Leipzig, Frankfurt. Sein Schalk lugt in der Aufzählung seiner Aktivitäten hervor. Salzwedel und New York. Beides erscheint ihm gleich wichtig - genauso gleichwertig wie Computer oder Steuerscheibe aus der Waschmaschine. Nichts von Hierarchie, eher eine Demokratie der Dinge, der Orte und der Klänge. Maschinen zum Selbstbedienen, "Spiel"-sachen im wahrsten Sinne, Einladungen zum Mitgestalten. Auch hier keine Hierarchie. Ein Kreativer auf der Bühne, viele Kreative im Publikum. Ob das dann immer gleich Kunst wird, bleibt nebensächlich. Kinder finden den spielerischen Zugang schnell, Erwachsene suchen immer erst die mögliche Botschaft: Durch Nacht zum Licht? Vorbilder? Sicher, nämlich all jene, die Ideen haben (und diese auch umsetzen wollen, umsetzen können) Sicher, nämlich alle die, die nicht vorher schon wissen wollen, wissen müssen, was entstehen kann. Die, die neugierig sind. Sicher, nämlich alle die, die nicht ständig nach Vorbildern fragen, nach fahrenden Zügen, auf die sie vielleicht aufspringen könnten. Und natürlich alle die, die sich konsequent zwischen die Stühle setzen. Denn wo Stache auftritt, ist die Irritation groß, vor allem beim selbsternannten akademischen Fachpublikum.
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